Eine dysfunktionale Familie ist ein gestörtes und toxisches Familiensystem, in dem die meisten Familienmitglieder leiden oder psychische Auffälligkeiten zeigen. Häufig kommt es zu dramatischen Ereignissen wie besonders schlimmen Trennungen, Suiziden, Unfällen und Ähnlichem.
Ein toxisches Familiensystem ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet:
- Fehlende emotionale Nähe und unsichere Bindungen
Es existiert keine echte emotionale Nähe. Die Kinder erfahren dadurch keine Wärme und Geborgenheit und lernen nicht, ihre eigenen Emotionen angemessen zu regulieren. Sie erleben nicht, dass Beziehungen Halt und Sicherheit geben können, und entwickeln einen ängstlich-unsicheren, einen vermeidend-unsicheren oder einen desorganisierten Bindungsstil. Dadurch wird ganz entscheidend geprägt, welche Art von Beziehungen sie später eingehen werden.
In toxischen Familien werden Nähe und Verbundenheit nur vorgespielt. Dadurch tragen alle Beteiligten eine Maske. Die Kinder lernen schon früh, sich zu verbiegen, um eine Bindung zu ihren unsicheren Bezugspersonen aufrechterhalten zu können. Sie entwickeln daher ein falsches Selbst. Kinder in toxischen Familien werden emotional verlassen und im Stich gelassen.
- Toxische Kommunikation
Die Kommunikation ist unehrlich, gespielt oder gar nicht vorhanden. Es wird geschrien, geschwiegen oder manipuliert. Echte Aussprachen, konstruktive Konfliktlösungen oder emotionaler Austausch finden nicht statt. Nach einem Konflikt wird beispielsweise nicht mehr miteinander gesprochen und dann so getan, als hätte es den Konflikt nie gegeben. Den Kindern werden Entscheidungen der Erwachsenen oder weitreichende Veränderungen selten erklärt. Oft werden sie von den selbstzentrierten Eltern als gefügige Zuhörer missbraucht.
- Toxische Verhaltensweisen
Es kommt zu einer Reihe toxischer Verhaltensweisen. Dazu zählen Suchtverhalten, emotionaler, körperlicher, sexueller oder verbaler Missbrauch, Untreue, Vernachlässigung, emotionale Verstrickung sowie emotionaler Inzest.
- Strikte Rollen
Die Kinder werden in eine bestimmte Rolle gedrängt, die sie strikt zu erfüllen haben, um das toxische Familiensystem zu stabilisieren. Dadurch können sie sich nicht frei entfalten oder entwickeln. Beispielsweise sind sie Sündenbock, Helfer, Friedensstifter oder das unsichtbare Kind ohne Bedürfnisse. Wenn ein Kind seine Rolle verlässt, wird es bestraft oder aus dem Familiensystem ausgegrenzt und ausgestoßen.
- Verleugnung, Lüge und Geheimnisse
Um die Dysfunktionalität der Familie zu kaschieren, wird nach außen hin eine perfekte Fassade aufrechterhalten. Dabei wird auch nicht vor Lügen zurückgeschreckt. Oft gibt es schwerwiegende Geheimnisse, wie beispielsweise sexuellen Missbrauch, der nicht nur vom Täter, sondern auch von Teilen des Familiensystems verheimlicht wird. Probleme werden verleugnet oder heruntergespielt. Eine gerne genutzte Strategie ist dabei unter anderem Humor.
- Schuldumkehr, Manipulation und Gaslighting
Kindern oder anderen Familienmitgliedern wird die Verantwortung für das Fehlverhalten der Erwachsenen in die Schuhe geschoben. Dies ist beispielsweise bei sexuellem Missbrauch oder anderen Formen der Gewalt der Fall. Kinder werden manipuliert, damit sie den Interessen narzisstischer Eltern dienen. Viele Überlebende toxischer Familien glauben, eine normale Kindheit gehabt zu haben. Sie gehen daher davon aus, dass mit ihnen etwas nicht stimmt. Dies ist auf intensives Gaslighting, wie eine Gehirnwäsche, zurückzuführen.
- Parentifizierung / Rollenumkehr
Narzissten betrachten ihre Kinder nicht als Kinder mit kindlichen Bedürfnissen, sondern vertauschen die Rollen. Die Kinder sollen ihre Bedürfnisse befriedigen. Dysfunktionale Eltern verhalten sich wie unreife Kinder und übernehmen keinerlei Verantwortung. Die Kinder werden benutzt oder sich selbst überlassen. Die meisten Überlebenden toxischer Familiensysteme haben sich nicht nur selbst großgezogen, sondern auch noch Verantwortung für ihre verantwortungslosen Eltern übernommen.
- Unklare Regeln
In dysfunktionalen Familien gibt es entweder gar keine Regeln und elterliche Führung oder die Regeln sind willkürlich, unvorhersehbar und ungerecht. Narzisstische Eltern haben nicht das Wohl ihrer Kinder im Blick, sondern die Erfüllung ihrer eigenen Interessen und Bedürfnisse. Auch auf Kosten ihrer Kinder.
- Verweigerung von Entwicklung
In einer Sache sind sich narzisstische Eltern sehr treu. Sie verweigern sich jeder Entwicklung und Selbstreflexion. In ihrer Welt sind sie stets die Opfer und tragen keinerlei Verantwortung. Für sie gelten andere Regeln als für den Rest der Welt, und andere Menschen – besonders ihre Kinder – schulden ihnen etwas.
- Klare Machtstruktur und Machtmissbrauch
Toxische Familien ähneln mit ihrer Machtstruktur und den verschiedenen Formen des Machtmissbrauchs Sekten. Die narzisstischen Eltern kontrollieren streng die Erzählung der Familie (Beispiel: „Wir sind eine sehr sympathische, vielleicht etwas chaotische Familie“) und achten darauf, dass jedes Kind seine Rolle erfüllt. Die Kinder müssen sich der elterlichen Macht unterwerfen und die verschiedenen Formen des Machtmissbrauchs erdulden. Liebe ist transaktional, das heißt, sie dient den Interessen der Machthaber im System. Familienmitglieder erkennen entweder die Dysfunktionalität ihrer Familie oder sind so gehirngewaschen, dass sie das toxische System vollkommen unkritisch unterstützen.
Hinweis: Narzissmus bezieht sich hier nicht auf eine psychiatrische Diagnose oder Persönlichkeitsstörung, sondern auf Narzissmus als Persönlichkeitsstil. Narzissmus ist keine Krankheit. Narzissten leiden nicht unter ihrem Persönlichkeitsstil. Sie sind jederzeit zurechnungsfähig und damit für ihr Handeln verantwortlich.




